Wissenswertes
Die Haut ist mit 1,5-2 Quadratmetern das größte Organ unseres Körpers mit Sinnes-, Kontakt- und Schutzfunktionen. Der Anteil der Haut am Körpergewicht beträgt etwa 20%. Das Wort Haut entstammt der indogermanischen Wurzel „s-keu“, was soviel wie „bedecken“ oder „umhüllen“ bedeutet. Schon der Verlust von mehr als 20% dieses Schutzes setzt uns der Gefahr aus zu sterben. Hautzellen vergessen nicht – so können wiederholte Sonnenbrände in der Kindheit noch Jahrzehnte später Krebs auslösen. Wir können aktiv die hauteigenen Reparaturmechanismen durch unsere Lebensführung und gezielte Maßnahmen fördern.
Warum gerät die Haut aus der Balance?
Wir nehmen wahr: Unser Hautzustand verändert sich kontinuierlich.
Weshalb? Die Haut als Grenze zwischen "Ich" und "Außenwelt" erfüllt naturgemäß viele wichtige Funktionen und ist konstant internen und externen Einflüssen ausgesetzt.
Biologische Konsequenzen können sein:
- Hautalterung
- Immunologische Fehlfunktionen
- Störungen des Gleichgewichts in unserer Hornschicht-Barriere
- Entzündungen
Endogene (interne) Faktoren, die unsere Hauterscheinung und -funktion beeinflussen:
- Genetische Prädisposition
- Immunstatus
- Hormonstatus
- Neurostatus, Stress und Psyche
Exogene (externe) Faktoren, die unsere Hauterscheinung und -funktion beeinflussen:
- UV-Strahlung
- Toxische Substanzen
- Mikroorganismen wie Bakterien, Viren oder Pilze
- Extreme Temperaturen
- Mechanische Schäden
Die Hautbarriere
Unsere Haut ist in Schichten aufgebaut. Die Oberhaut (Epidermis) besteht aus fünf Schichten und wird von der zweischichtigen Lederhaut (Dermis bzw. Corium) durch eine Basalmembran getrennt. Unter der Lederhaut befindet sich das Unterhautfettgewebe. Die oberste Schicht der Epidermis wird als Hornschicht (Stratum corneum) bezeichnet. Noch vor wenigen Jahren galten die dortigen Hornzellen als tote Zellen, die einfach nur abgestoßen werden. Neueste Untersuchungen jedoch bestätigen die äußerst wichtige Funktion dieser Zellen. Die Hornschicht repräsentiert die Schutzfunktion (v.a. vor Austrocknung) und macht unsere Haut widerstandsfähig gegen physikalische (Druck, Temperatur und Licht) und chemische Reize (Säuren). Sie reagiert empfindlich gegen organische Lösungsmittel, da diese Hautoberflächenfette entziehen, und gegen seifenhaltige Detergenzien, die Zellmembrane zerstören und somit Hauterkrankungen den Weg bereiten. Die Hornschicht der Haut stellt ein eng verzahntes System aus proteinreichen Hornzellen (Korneozyten) und Lipidschichten dar. Bildlich können wir uns die Hornzellen als Ziegelsteine und die Kanäle dazwischen als Mörtel aus Fett und Wasser vorstellen. Jede Substanz, die in innere Schichten der Haut vordringen soll, muß diese Kanäle durchdringen können – dies ist nur möglich, wenn die Chemie der verwendeten Produkte dem physiologischen Mörtel ähnelt.
Der Säureschutzmantel
Unsere Haut ist physiologisch sauer, der pH-Wert liegt zwischen 5,2 und 5,8. Nur im leicht sauren Milieu wird der „Mörtel“ zwischen den Hornzellen gebildet und die hauteigene Bakterienflora kann überleben. Die häufigste Ursache für Störungen des Säureschutzmantels liegt in der falschen Reinigung der Haut. Der Schutzmantel der Haut kann von außen durch entsprechende Pflege beeinflußt werden. Ist dieser Schutzmantel intakt, verliert die Haut weniger Wasser.
Hautreinigung
An Schweiß und Hautoberflächenfett binden sich täglich eigene Stoffwechselprodukte und Umweltstoffe.
Bei der Wahl eines geeigneten Hautreinigungsmittels gibt es keine allgemeingültige Empfehlung. Der jeweilige Hauttyp und der augenblickliche Hautzustand müssen berücksichtigt werden. Insbesondere bei trockener und empfindlicher Haut können Probleme durch unsachgemäße Reinigung entstehen.
Reinigen Sie die Haut von Gesicht, Hals und Dekollete morgens und abends. Unsere Haut arbeitet entgegen anderen Organen aktiv in der Nacht – somit lagern sich Stoffwechselprodukte auf der Oberfläche ab, die morgens entfernt werden sollten. Abends ist nebst der Hauptreinigung eine zusätzliche Vorreinigung empfehlenswert.
Gehen Sie bei der Reinigung wie folgt vor:
Vorreinigung (nur abends erforderlich): Entfernen Sie mit einer flüssigen Lotion, Milch oder speziellem Öl auf einem Wattepad zunächst ohne Wasser die groben Rückstände von Schweiß, Umweltschmutz und ggf. Makeup.
Hauptreinigung (morgens und abends): Arbeiten Sie eine nach Hautzustand angepaßte Reinigung (bsp. Milch, Gel, Schaum) mit einer feinen Gesichtsbürste unter sanften Bewegungen kreisend in Richtung des Lymphabflusses (von der Gesichtsmitte nach außen und seitlich nach unten Richtung Schlüsselbein und Achsel) ein. Waschen Sie dann Ihre gereinigte Haut mit viel lauwarmem Wasser bis zu 20x und trocknen Sie diese ab.
Je milder die Reinigung, desto häufiger kann eine Anwendung täglich erfolgen. Dies gilt bsp. für Sportler, die stark schwitzen oder Berufe in schlecht belüfteter Umgebung.
Peeling
Viele Anwender zählen Peelings zu den Reinigungsmaßnahmen. Das mechanische Peeling mit Schleifpartikeln sollte dermatologisch betrachtet eher selten und nur bei dickerer, widerstandsfähiger Haut erfolgen. Andernfalls wird die wichtige Hautbarriere angegriffen und unsere Schutzfunktion geht verloren.
Körperreinigung
Die Reinigung unserer Körperhaut sollte täglich erfolgen, an heißen Sommertagen auch zweimalig. Als Reinigung empfiehlt sich hierfür eine milde Duschcreme – vermeiden Sie Seifen, um der Haut nicht unnötig Feuchtigkeit zu entziehen.
Reinigung für Männer
Auch die Haut von Männern bedarf der konsequenten Reinigung und Pflege. Diese sollte möglichst vor einer Rasur erfolgen, um Irritationen vorzubeugen. Es gibt Kombinationsprodukte zur Reinigung und gleichzeitig Vorbereitung der Rasur durch Aufstellung der Haare.
Reinigung und UV-Licht
Wenn Sie Licht ausgesetzt sind, sollten keine Tiefenreinigungen erfolgen, da ansonsten durch Verlust der Schutzfunktion Lichtschäden entstehen können.
Tonisierung
Die Tonisierung stellt bereits den ersten Schritt der Hautpflege dar und fördert die Aufnahme nachfolgend aufgetragener Substanzen. Da unsere Haut zu diesem Zeitpunkt gereinigt und aufnahmebereit ist, können beruhigende und feuchtigkeitsspendende Substanzen nach Belieben als Gesichtswasser eingearbeitet werden. Die Auftragung erfolgt effektiv mit einem Wattepad oder als Sprühvernebelung. Die anschließende Pflege sollte zeitnah erfolgen, bevor der Toner eingetrocknet ist – dies erleichtert das Eindringen der jeweiligen Substanzen.
Physiologie und Hautpflege
Ein wesentliches Kriterium für Hautgesundheit und Schönheit ist die Durchblutung. Sie dient als Temperaturregulator, Nährstoff- und Sauerstofftransporter (Nährstoffe und O2 werden nicht von außen aufgenommen, sondern über die Blutgefäße an die Hautzellen abgegeben).
In den letzten Jahrzehnten haben sich Arbeits- und Freizeitaktivitäten der Menschen verändert. Jede kosmetische Hautpflege muß zum individuellen Hautzustand passen. Falsch gewählte Grundlagen können das Erscheinungsbild und den Zustand der Haut negativ beeinflussen und sogar Krankheiten hervorrufen. Hautpflegeprodukte mit medizinischer Wirksamkeit werden als Dermazeutika bezeichnet und lassen sich von gängigen Kosmetika mit allgemein wohltuender Wirkung unterscheiden. Jedes Hautproblem erfordert eine fachgerechte Diagnose und ganzheitliche Behandlungsstrategie. Kein anderes Organ erfordert die Mitarbeit der Betroffenen so sehr wie unsere Haut.
Die Effektivität jeder auf die Haut aufgetragenen Rezeptur ist abhängig von
- Hautzustand
- benutztem Vehikel (Creme, Öl, Emulsion, Gel) und
- Wirkstoffeigenschaften.
Hautalterung
In der Antike folgten die Menschen bereits Ihrem tiefen Wunsch nach anhaltender Jugendlichkeit. Die ägyptische Königin Kleopatra ist noch heute das Markenzeichen für die Geheimnisse langwährender Schönheit. Sie war die erste "Cosmetologin" mit Orientierung nach chronobiologischen Rhythmen und kann als jüngste Anwenderin der ganzheitlichen dermalen Stimulation angesehen werden. Bereits vor 2500 Jahren stellte die Lehre der Verjüngung und Veredelung des Körpers eine von acht medizinischen Disziplinen in der ältesten Gesundheitslehre Ayurveda dar.
Der Organismus altert, weil er lebt. Mehr als 300 anerkannte Alternstheorien beschäftigen sich mit den Mechanismen vorzeitiger Alterung, um dieser aktiv vorbeugen zu können. In meiner „ProYouthing-Sprechstunde“ werden Ihre individuellen Alterns-Faktoren analysiert und ein Verjüngungsplan mit Empfehlungen zur Ernährung, Bewegung, medizinischen Maßnahmen und kosmetischer Pflege erstellt.
Die Haut ist eine einzigartige Blume mit sieben Blütenblättern. Die bewußte Pflege eines jeden Blütenblattes läßt unsere Schönheit und Jugendlichkeit erblühen.
Es werden analog sieben Problemfaktoren der Hautalterung identifiziert:
- Feine Linien und Falten
- Dünne Haut
- Trockene und sensitive Haut
- Schlaffe und gealterte / lichtgeschädigte Haut
- Stumpfe, fade und strukturgeschädigte Haut
- Hautpigmentierungen
- Großporige und unreine Haut; entzündliche Dermatosen.
Die Hautalterung wird von äußeren (extrinsischen) und inneren (intrinsischen) Faktoren beeinflußt.
Zu den extrinsischen Faktoren zählen:
- UV-Lichtalterung
- Ernährungseinflüsse
- Lifestyle: Schlaf, Arbeit und Freizeit, Bewegung, Körperpflege und Psychohygiene
Die intrinsische Hautalterung ist neben genetischer Veranlagung und dem Alter im Wesentlichen hormonmangelbedingt und führt zu einer Abnahme zellulärer Bestandteile aller Hautschichten und der Wasserbindungskapazität in der Hauttiefe. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die moderne Vorstellung des „inflamm-aging“, unter der minimale chronische Entzündungen im Hautgewebe als Ursache für Fältchen, schlaffes Bindegewebe und hängende Gesichtskonturen verstanden werden.
Haut und Psyche
Unsere Hülle ist das erste entwickelte Sinnesorgan und begleitet uns schon als Embryo von der ersten Sekunde des Lebens an. Alle Sinneseindrücke (Berührung, Temperaturempfindung, Schmerz und Juckreiz) werden durch eine große Zahl an Rezeptoren – 7-50 pro Quadratzentimeter – aufgenommen. Menschen, die wenig Berührung erfahren, sind gemäß psychologischen Studien anfälliger. Das Urvertrauen der Eskimos wird hingegen auf die frühkindliche Hauterfahrung zurückgeführt, bei der nackte Säuglinge direkt unter der Kleidung auf dem Rücken ihrer Mutter getragen werden.
Die beiden Organsysteme der Menschen, Haut und Zentralnervensystem (ZNS), entstammen embryologisch dem gleichen Keimblatt (Ektoderm). Die Haut informiert unser ZNS über Temperatur, Windverhältnisse, das Tastbare, das Begreifbare und über das Berührende. Die aufgenommenen Reize, die unseren Schutzmantel – die Haut – erreichen, lösen im Inneren etwas ihnen Entsprechendes, Empfindungen und Gefühle, letzlich einen Bewertungs- und Verständnisprozess aus. Dieser wirkt vom ZNS zurück zur Peripherie (Haut) und verändert diese im Sinne der subjektiven inneren Verarbeitung.
Gleich welchen Alters – das Attraktivitätskriterium Nummer Eins ist die Haut! Zwischenmenschliche Anziehung und Sympathiewert sind stark von dem Aussehen der Haut abhängig. Bereits Platon und Schiller sahen physische Schönheit gleichzeitig als innere geistige und moralische Schönheit an und zogen den Rückschluß von physischen Attributen auf die Persönlichkeit des Trägers.
Ernährung für die Haut
Eine ausgewogene Ernährung versorgt die Haut mit essentiellen Nährstoffen, ohne sie dabei mit Verdauungs- und Stoffwechselrückständen zu belasten. Die optimale Verteilung von Nahrungsaufnahme und deren Zeiten beugt der Bildung freier Radikale vor und fördert die Produktion von verjüngenden Hormonen wie bsp. Wachstumshormon, Melatonin und DHEA.
Es gilt zusammenfassend der Merksatz: Machen Sie den Ölwechsel, verzehren Sie hochwertige Proteine und viel frisches Gemüse.
Goldene Regeln im Überblick:
zu reduzieren:
- Nahrungsmittel mit ausgeprägt saurem GeschmackΩ6-Fettsäuren-dominierte Fette: bsp. Sonnenblumen- oder Distelöl
- Einfache Kohlenhydrate
- Fermentierte Produkte
- Scharfe Gewürze und viel Salz
- Braten, Backen und Frittieren
- Häufige Zwischenmahlzeiten
- Übermäßiger Getränkekonsum zu den Mahlzeiten
- Ungeeignete Kombinationen (bsp. Milch mit Früchten)
- Kombination zu vieler Nahrungsmittel in einer Speise
zu fördern:
- Nahrungsmittel mit natürlichen Bitterstoffen
- Ω3-Fettsäuren-dominierte Fette: bsp. Fischöle, Lein-, Raps- und Walnußöl
- Frisches gedünstetes Gemüse
- Frisches, süßes, reifes und saisonales Obst
- Gekochte Hülsenfrüchte (Mungolinsen und Soja)
- Hochwertige Proteine durch Fisch
- Milde Zubereitungen
- Verdauungsfördernde milde Gewürze (Curcuma, Koriander, Ingwer, Kardamom, Minze)
- Ausreichend raumtemperiertes Wasser und Kräutertees
Nahrungsergänzung für die Haut
Die wichtigste Funktion von Pflanzen für eine gesunde und schöne Haut liegt in deren antioxidativer Kapazität. Eine herausragende Rolle spielen hierbei die langanhaltend antioxidativ wirkende Frucht Emblica officinalis (Amalaki) und die entzündungshemmende Wurzel Curcuma longa (Haridra). Weitere asiatische Pflanzen zur Unterstützung der hauteigenen Funktionen sind Rubia cordifolia (Manjishta), Acacia catechu (Khadira) und Azadirachta indica (Nimba), die allerdings nur unter Aufsicht eines medizinisch ausgebildeten Spezialisten verwendet werden sollten. In der europäischen Phytologie haben sich u.a. Viola tricoloris herba (Stiefmütterchenkraut) und Cardui mariae fructus (Mariendistelfrüchte) langjährig bewährt.
7 Tipps für eine schöne gesunde Haut
- Sorgen Sie täglich für eine gute Durchblutung durch körperliche Bewegung, Muskelstimulation (bsp. Gesichtsgymnastik) und durch rituelle Massagen (1-2 Minuten) morgens und abends beim Auftragen der Pflege.
- Pflegen Sie die Haut täglich – morgendlich zum Schutze der Haut (bsp. Antioxidantien) und abendlich für die Regeneration.
- Vermeiden Sie lange Sonnenexposition und schützen Sie die Haut tagsüber mit einem entsprechenden Lichtschutz.
- Berücksichtigen Sie Tages- und Jahreszeiten, hormonelle Zyklen und Lebensphasen in der Auswahl aller Maßnahmen und behalten Sie diese nicht über das ganze Jahr unverändert bei.
- Achten Sie auf die oben erwähnte hautspezifische Ernährung und integrieren Sie Nahrungsergänzungen für Ihre Haut gemäß Bedarf.
- Praktizieren Sie jede Nacht einen kleinen Winterschlaf, mindestens 7 Stunden tief und ohne Unterbrechungen, bestmöglich vor Mitternacht.
- Gönnen Sie sich regelmäßig Relaxmomente und praktizieren Sie Yoga mit Körperstellungen und Atemübungen.
Ein kleiner Selbsttest
Im Alter von 30 Jahren erneuert sich unsere Haut innerhalb von etwa 30 Tagen (sog. „Turnover“ der Epidermis) – je fortgeschrittener das Lebensalter ist, desto langsamer erfolgt die Hauterneuerung. Wenden Sie daher die oben genannten Empfehlungen über zwei Hautzyklen an und vergleichen Sie das Ergebnis, ggf. mit Hilfe der Fotodokumentation, mit Ihrem jetzigen Zustand – Sie werden begeistert sein!

